Frankfurt Marathon 2006

Trauermarsch oder was ?

Ursachenforschung:
Woran lag es ? Hm, ehrlich gesagt kann man das nie so genau festmachen. Wetter (Wind, Wärme), Tagesform - beim Marathon zeigt das nicht alles planbar ist und das mein Körper nicht wie eine Maschine funktioniert (gut so) .
Vorbereitung:
Ich habe mich noch nie so gut vorbereitet, auch ist die Vorbereitung mir noch nie so leicht gefallen. Klar habe ich auf 3:15 trainiert, aber auf Grund der Vorleistung in den Wettkämpfen, besonders beim Halbmarathon in Offenbach (PB 1:34:04), war mir klar das ich mit einer Zeit zwischen 3:15 und 3:20 rechnen kann.
Nervosität:
Ich bin vor Läufen eigentlich immer ziemlich aufgeregt, diesmal ging es allerdings (siehe Vorbereitung), zumindest bis zum Freitag vor dem Lauf. Danach wurde es dann schon ziemlich schlimm.
Probleme im Vorfeld:
Nachdem ich am Freitag zwischen 22:00 - 2:00 Uhr nicht im Bett lag, sondern diese Zeit auf dem WC verbrachte, war mir schon klar das da was nicht stimmte. Ob das ganze durch die “Angst” vorm Lauf oder von was Gegessenen kam, ist im Rückblick auch egal. Fakt war, das ich Samstags dann einfach zu wenig zu mir nehmen konnte. Nur 1 Brioche, 2 Riegel und 1,5 Teller Nudeln konnte ich mir reinquälen. Das ist nicht gerade die Grundlage die man für einen Marathon benötigt.
Unvernunft:
Nachdem ich allerdings von Samstag auf Sonntag sehr lange und ausdauernd geschlafen hatte, fühlte ich mich so gut, das ich ganze wie geplant angehen wollte. Mit etwas mehr Verstand wäre ich das Rennen aufgrund des Freitages etwas ruhiger angegangen und hätte mich dann nicht so quälen müssen.
Das Rennen:
Zumindest schaffte ich diesmal einen sehr verhaltenen Start, das lag aber daran das das Feld um mich herum auch nicht in die Gänge kam. Der erste Kilometer war zu ruhig (5:13) und ich beschloss darauf endlich mein MT aufzunehmen. Die nächsten Kilometer klappen in der geplanten Zeit (4:37, 4:38), dann schwankte es etwas aufgrund der Felddichte und der Steigung Richtung Miquelallee. Aber alles im grünen Bereich, bei Kilometer 5 war ich, mal abgesehen von der Trödelei des ersten Kilometers, in meiner Zeittabelle. Es lief weiterhin ganz gut, allerdings hatte ich die ganze Zeit das Gefühl nicht richtig im Rennen zu sein. Das sollte ich auch bis zum Ziel nicht mehr ändern. Das soll heissen ich lief zwar mit, war aber irgendwie nicht bei der Sache. Ist schwer zu beschreiben.
Bei KM10 lag ich auch noch gut, an der Konsti entdeckte ich Julia :-) . Dann ging es über die Brücke nach Sachsenhausen, da merkte ich das etwas nicht in Ordnung war. Die Brücke kam mir richtig “steil” vor, was war los ? Ab KM12 begann dann der Leidensweg. Seitenstechen, Darmprobleme. Ich denke, das ab da meine kaum gefüllten Kohlenhydratspeicher mittlerweile schon leer waren und das ich dann auf Fettverbrennung umsteigen musste. Deshalb das Seitenstechen (Zwerchfellatmung) und die Probleme mit dem Darm. Bei 15, 20 und 21 wollte ich aussteigen, allerdings dachte ich an Julia und Oli, die ich nicht hätte erreichen können. Meine Zeiten waren zwar noch einigermaßen in Ordnung, aber der Traum von der 3:20 war schon geplatzt. An meine anderen Bestzeiten (3:27 und 3:37 FFM) habe ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gedacht. Weiter gings über die Schwanheimer Brücke, ab da lief mein Hase (Oli) mit, der sich also gar keine Gedanken ums durchhalten machen musste, da ich mein MT nicht mehr lief. In Höchst standen die Laufwerker und konnten mich etwas aufmuntern. Oli wartete dann schon wieder auf der anderen Seite, ich hatte Ihm den Höchster Wendepunkt erspart. In Nied war dann Julia wieder da und ich beschloss das Ding zu Ende zu laufen. Ich denke der Gedanke eines aufgegebenen Laufes hätte mich sonst bei jedem zukünftigen Rennen verfolgt. Auf dem langen Handtuch wurde ich zwar langsamer, aber bei mir kam kein Hammer mehr, denn der war schon seit KM12 da und so konnte ich dann doch noch einige Läufer überholen, die jetzt erst Bekanntschaft mit dem Hammermann machten. Bei KM34,5 lief der 3:30 Pacemaker an mir vorbei, damit war es dann wirklich vorbei …….. .
Gehpausen machte ich keine, lies mir allerdings sehr viel Zeit an den Verpflegungsposten. Oli verlies mich dann bei Kilometer 37,5 und ich machte mich auf die letzte Runde. Bei 38 rechnete ich kurz, ob ich meine letztjährge Frankfurtzeit erreichen würde, aber das war dann schon nicht mehr drin. Naja, ich hab mich auf den letzten 5 Kilometer wieder gut erholt und konnte mit einem Lächeln über Ziellinie laufen.

Fazit:

Für mich persönlich war es mein schwerstes Rennen meiner “kurzen” Läuferkarriere. Normalerweise beißt man sich auf den letzten 10 Kilometern durch, aber nicht wie in diesem Fall 30 Kilometer lang. Das mir das gelungen ist, ist das einzig Positive was ich diesem Marathon abgewinnen kann.
Was ist nicht verstehe ist, das von den Leuten die ich kenne bis auf 1 -2 Startern, keiner seine geplante Zeit erreicht hat. Viele lagen, so wie ich um mindestens 15 Minuten daneben. Auch habe ich selten so viele Läufer gesehen, denen es schlecht ging. Was war da nur los ?
Muskulär habe ich keine Probleme, nur ein wenig Schmerzen vom Seitenstechen.
Technische Daten:
42,195 KM in 03:40:45 = 5:14/KM - AvgPuls 154 MaxPlus 168 - Gesamtplatz 2255 - AK40 Platz 585

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